Zwischen den Kulturen

Wir möchten darauf hinweisen, dass die Meinung eines Autors nicht zwingend mit der Meinung von Jugendwohnen im Kiez übereinstimmen muss.




4.7.2008


In Neukölln bauen Moderatoren Barrieren ab

 

Von Diana Engel

 

Achmet Sözens Kinder gehen auf die Franz-Schubert-Grundschule in der Weserstraße in Neukölln. Sein Verhältnis zu den Lehrern ist gut, mit manchen ist er auf Du und Du. Das war nicht immer so. »Früher hatten wir kein Vertrauen in die Lehrer«, sagte der Elternvertreter während des gestrigen Fachgesprächs über das Projekt »Interkulturelle Moderation«.

 

Mit dem Neuköllner Modellprojekt sollen Schulbarrieren abgebaut werden, damit ein besseres Lernklima entstehen kann. Erst vor zweieinhalb Jahren wurde das bisher sehr erfolgreiche Projekt mit muttersprachlich arabischen, türkischen und serbokroatischen Sozialpädagogen aus der Taufe gehoben. Heute arbeiten acht Moderatoren an vier Schulen, darunter zwei Grundschulen. Ihre Aufgaben sind vielfältig, ihre Motivation ist hoch, ihre Jobs sind befristet. Als Muttersprachler schlagen sie eine Brücke vor zwischen Lehrern, Schülern und Eltern, die zu 80, an manchen Schulen zu 90 Prozent nicht-deutscher Herkunft sind – was nicht nur die Lehrer vor Herausforderungen stellt.

 

»Viele Eltern kennen das deutsche Schulsystem nicht«, erläuterte Schulleiterin Anke Peters von der Rixdorf-Schule. Für einige sei Schule gleichbedeutend mit dem Staat, und mit dieser Institution hätten einige in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht. Angesichts dieser Berührungsängste hält Peters große Stücke auf die wegweisende Arbeit der beiden Moderatoren an ihrer Schule: »Die Eltern sagen, das ist einer von uns, und die Lehrer sagen auch, das ist einer von uns.« Ihre Kollegin Cordula Heckmann von der Heinrich-Heine-Schule bezeichnete das Modellprojekt als zukunftsweisend, betonte aber auch die Notwendigkeit von Lehrkräften mit Migrationshintergrund. Das sieht auch Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) so. Auf die Frage, ob das Projekt nicht auf den ganzen Bezirk ausgedehnt werden solle, reagierte er allerdings verhalten. »Interkulturelle Moderatoren überbrücken eine Schwäche des Systems.« Es handele sich um eine Übergangsphase, die sich von selbst erledigen müsse, so Buschkowsky weiter.

 

Angesichts des unerwarteten Erfolgs forderten jedoch nicht nur die Eltern- und Lehrervertreter eine dauerhafte Finanzierung für das Projekt, das bisher vom Senat mit 330 000 Euro gefördert wurde. Karsten Speck, Erziehungswissenschaftler der Universität Potsdam, welche das Projekt wissenschaftlich begleitete, nannte diese Förderpraxis verantwortungsvoll. »Das Land hat an der Fortführung grundsätzlich Interesse«, heißt es aus der Senatsverwaltung. Die Entscheidung für 2009 stehe aber noch aus.

 

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Neues Deutschland, 4.7.2008

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