Aktive Schüler brauchen aktive Eltern

Wir möchten darauf hinweisen, dass die Meinung eines Autors nicht zwingend mit der Meinung von Jugendwohnen im Kiez übereinstimmen muss.




März 2008


Elternaktivierung an der Spreewald-Grundschule

 

Majada Abbas ist Dreh- und Angelpunkt, wenn es um die Aktivierung von Eltern an der Spreewald-Grundschule geht. Nicht nur für die Frauen der arabischen Community ist sie Vertrauensperson und Kulturmittlerin. Für die Lehrerinnen und Lehrer der Schule ist sie Ansprechpartnerin, wenn sich auf Grund von Sprachbarrieren der Kontakt zu den Eltern von Schülern schwierig gestaltet.

 

Geboren ist Majada Abbas im Irak. Dort hat sie als Grundschullehrin und Kitaleiterin gearbeitet. 1995 kam sie nach Deutschland. Vor 4 Jahren begann ihre Arbeit mit türkischen und arabischen Eltern an der Spreewald-Grundschule, damals als ABM-Kraft. Nach 2 Jahren Finanzierung aus Mitteln des Programms LOS ist ihre Stelle jetzt dem Träger Jugendwohnen im Kiez e.V. angebunden. "Mit Mitteln des Quartiersmanagement hat der Verein jetzt die Möglichkeit, auf die Arbeit von Frau Abbas aufbauen, die Elternaktivierung an der Schule zu verstetigen und professionell zu begleiten", erklärt Frau Stöckel, Koordinatorin des Projektes Elternaktivierung an der Spreewald- Grundschule. Jugendwohnen im Kiez möchte die Kommunikation zwischen Schule und Eltern weiterhin verbessern.

 

Manche Probleme klingen banal, sind es aber nicht. "Viele Eltern wissen nicht, was in eine Federtasche gehört", erzählt Helmut Wittmann von Jugendwohnen im Kiez. "Manche Kinder haben keinen Schreibtisch für ihre Hausaufgaben. Das ist kein Problem der Herkunft, sondern ein soziales", meint Wittmann. Hier ist Beratung und Aufklärung notwendig. Türöffner ist in solchen Fällen Frau Abbas, die zusammen mit dem zuständigen Lehrer die Familien besucht.

 

Schwieriger ist es, selbst für deutsche Eltern, Änderungen in der Schule wie die Einführung der Schuleinganghsphase nachzuvollziehen. Hier bietet der Träger den Lehrern sprachliche Unterstützung bei Elternabenden an. Elternkurse wie "Starke Eltern, starke Kinder" sollen den Eltern bei der Erziehungsarbeit helfen. Was kann man tun, wenn die Kinder keine Hausaufgaben machen wollen oder die Kinder sich häufig untereinander streiten? Der Diplom-Pädagoge Ibrahim Obeidi erarbeitet zusammen mit Eltern in Kleingruppen Lösungswege. Hier sind jedoch ausreichende Deutschkenntnisse Vorraussetzung für eine erfolgreiche Teilnahme. Niedrigschwelliger sind die Angebote der Familienberatung des PFH, die beim Frühstück der arabischen Müttergruppe Vorträge zu Themen wie Pubertät oder gesunde Ernährung in arabischer Sprache gibt.

 

Frau Abbas organisiert mit den Frauen Ausflüge. Zusammen mit den Kindern waren sie im Naturkundemuseum. 36 Kinder und 16 Mütter. Ein anderes Mal haben sie die Kinderwelt am Mehringdamm besucht. Ein Höhepunkt im letzten Jahr war der Winterbasar, den die Frauen an der Schule organisiert haben. Ein Fest mit selbstgemachtem Essen und Kulturprogramm.

 

Im April startet Jugendwohnen im Kiez ein Kooperationsprojekt mit dem Atze Musiktheater. Gemeinsam mit Schülern der 3. und 4. Klassen und den Eltern wollen sich die Theaterpädagogen von Atze auf eine spielerische, musikalische und kulinarische Weltreise begeben, die sowohl die Neugier auf und auch das Verständnis für andere Kulturen fördern soll. Das Theaterprojekt möchte eine vielseitige Vernetzung bewirken: zwischen den verschiedenen Kulturen an der Spreewald-Grundschule, zwischen den Kindern, der Schule und den Eltern. Das Theaterprojekt hat den Namen "Blickwechsel". Die Theaterleute bauen dabei auf die Unterstützung aus der Elternschaft, sei es durch Zuarbeiten von Hintergrundwissen und autobiografischen Geschichten, sei es durch musikalische Untermalung des Bühnengeschehens, Mithilfe bei der Gestaltung der Bühne und den Kostümen oder auch durch die Verpflegung aller Beteiligten.

 

Für den 8. Mai ist die Uraufführung des Theaterstückes an der Spreewald-Grundschule geplant.

 

Am 10. April veranstaltet die Schule zusammen mit der Gesamtelternvertretung und den Eltern einen Sponsorenlauf rund um den Winterfeldtplatz. Die Eltern sorgen für ein orientalisches Büffet. Die Kinder suchen sich Paten, die für jede Runde, die sie im April um den Platz laufen, Geld spenden. Ansporn genug, um beim Laufen alles zu geben. Aus den Erlöse der Veranstaltung sollen Bücher für den Freizeitbereich an der Spreewald-Grundschule gekauft werden. 

 

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"Schöneberger Morgen", März 2008

 

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